Sofa

Ein Transporter in LKW-Größe hielt vor meiner Tür und brachte: ein Sofa.
Ich besitze (grinning face) nun das erste Mal in meinem Leben ein Sofa. Das gibt mir Hoffnung. Nicht das Sofa selbst, obwohl ich es überhaupt nicht unterschätze, nein, ich meine, dass ich vielleicht schon die Hälfte meines Lebens hinter mir habe (wenn es gut läuft und sogar doppelt gut, so dass ich nicht denke, wenn es schlecht läuft), und immer noch etwas zum ersten Mal geschehen kann. Krasses. Besonderes. Nicht krass Schlimmes, wobei das natürlich immer passieren kann (und schon passiert ist) und in der Nähe und Ferne (was ist eigentlich fern) täglich geschieht – das meine ich nicht, nicht jetzt. Ich meine etwas, das dennoch und immer geschehen kann, etwas, das meine Intellektualisierungen über den Haufen wirft, etwas, das schön ist. Ein Sofa. Klingt albern. Nö, oder?

Es gibt diese Dinge, die ich nie vermisst habe, auch wenn das nur ein Trick von brain war, denn wofür ich kein Geld hatte oder was nicht als Geschenk zu mir kam, das war etwas, das nicht nötig war. Das brauchte ich einfach nicht. Auf die Art ist es möglich, jahrelang die Kleidung mit der Hand zu waschen, sich von Reis mit Tomaten zu ernähren und die Fahrt an den Autobahnsee eine Reise zu nennen. Es ist nur möglich, sich auf das Wesentliche zu besinnen, wenn man eine Wahl hat. Vorher ist es nur das Einzige, von dem höchstens andere sagen können, uh, wie reduziert aufs Wichtige, awesome. Nicht.

Aber um auf das Sofa zurückzukommen. Mit dem Geschenk kam ein Hund mit, der gleich auf meinen Arm gehüpft war und dort einen Platz ausfüllte, der offenbar schon lange gewartet hatte. Arm wurde Kopfkissen, Hund lag ganz still und atmete durchs Fell. Hund kennt sich offensichtlich aus mit Sofa und Meditation, riecht nach Zen (zum Glück nicht nach Hund und vor allem nicht nass, ich mag nur nasse Strasse, Hunde eigentlich gar nicht). Hund jedenfalls zeigt mir, wie Sofa geht und also Platz und Hund und ich darauf. Kissen an Rücken, Blick aus dem Fenster. Auf die Dächer, in den Obstbaum, auf die Spatzen [1]. Himmel. Schön. schön. schön. Das Sofa, das Leben. Auch wenn mein Wohnzimmer jetzt ruiniert ist, ich muss praktisch über Sofa direkt auf den Klavierhocker springen, wenn ich meine Sehnenscheidenentzündung vergessen habe, oder Dreisprung um die Ecke, Schrottknie ahead, naja bisschen übertrieben. Das mit Wohnzimmer, der Rest nicht.
[1] Ich wette, sie haben dort Sofareihen hinter der Dachrinne.

Was vorher geschah? Vorher gab es nur Minisofa, aka Sessel, Sofa immer und eigentlich nur dann, wenn ich mich als kleines Päckchen darauf zusammengekrümmt-oder-kringelt (mit entsprechend unterschiedlichen Ausgangssituationen) hatte. Aber nun kann ich, egal was gerade ist, vom Schreibtisch mit oder ohne Laptop direkt auf Sofa fallen, ok, nur gesprungen und das dann besser allein, aber das Ding – it’s a thing! – ist ja, dass ich es kann. Das ohne Computer. Ich kann da liegen mit Hund, Kaffee, beidem oder nichts und NICHTS tun.

Nochmal zum Thema Hoffnung. Thesaurus nennt außer Zuversicht noch Erwartung, aber das stimmt nicht. Ich darf das sagen, denn mit Hoffnung etc. kenne ich mich aus. Vergeblich zumeist, aber das ist immanent. Keine Erwartungshaltung oder begründeter Anspruch, nur Hoffnung. Die passiert und findet statt, und anders als Wikipedia und die meisten meinen, viel mehr in der Gegenwart als ihre aus Vergangenheit und Zukunft gespeisten Geschwister.

So, und jetzt entschuldigt mich, Sofa ruft. Jetzt.

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