kreisgespräche

wir könnten opfer werden
oder waren es schon

wir sind lesbisch, jüdisch oder politisch
feministisch, frau oder enby
oder alles

oder täterin

sind wir täter_innen
oder aussen?

wir sind weiss, privilegiert, haben den passenden pass
und finden das normal, weil das die norm ist
oder nicht

wir tun oder tun nichts, dagegen oder dafür

und fragen uns endlich
reicht das und wenn ja wofür

Chasing the clouds home

Schreib Dir doch die Seele aus dem Leib, sagte sie. Seitdem habe ich kein Wort mehr zu Papier gebracht, aus Angst, ich könnte es schaffen.

Just kidding. Ist nur ne langweilige Schreibblockade. Mehr als tausend Worte blockieren mich Stresslevel und Furcht. Oder Depression. Whatever.
Wenn ich nur könnte. Rausschreiben, die Welt ausschütteln wie ein staubiges Laken und danach nichts mehr sehen können. Mir selbst nicht mehr folgen können.
Mich äußern. Das Fenster öffnen und mich fragen, was ich lüfte, den Raum oder das Draussen. Stille oder Stillstand.

Und dann Vorhang auf für Frühling. Oder Frölenk, wie das Kind buchstabiert. Klingt auch gleich viel frölicher 🙃

Staub, der das Licht reflektiert

Aus Gold und Gewalt sind wir alle

Wenn wir heute den Himmel betrachten und kleine oder große Löcher hineingucken, mal bunt, mal leer, auch schwarz, dann ist dieser Blick zu gleichen Teilen der Nichtblick, den wir hatten, als wir in Räumen eingesperrt, in Zeiten mit verbundenen Augen, in Wäldern bei Nacht; allein waren, trotz und wegen der Menschen dort, verlassen, entblößt, gequält. Absichtsvoll. Von der Welt. Aus der Welt. Es sollte eine Welt ohne Himmel sein, ohne Luft, ohne Farben, ohne Mitgefühl. Und auch wenn es nicht gelang, uns eng, erstickt und grau werden zu lassen, ist in unseren Blicken der Weg, den wir von dort zurückgelegt haben, der lebenslange Weg dort heraus. Das gefolterte Selbst ist nie wieder ungefoltert, wir sind aus Gewalt erstanden und Gold, das kein Mensch nehmen, pressen oder verkaufen kann. Es mag lange nur ein Schimmer gewesen sein, eine Hoffnung, dass da etwas sein könnte, das größer und goldener ist als wir selbst und das leuchten kann in und aus der Tiefe, die Menschen gegraben hatten in die Welt und uns, um es auf- oder auszufüllen mit sich und ihrer Macht, ihrem Sein. Aber das wahre Wesen ist ebenso lebendig und wahr wie der Schmerz, wenn wir erkennen. Es leuchtet, nach und von und innen und aussen. Gold scheint leicht und Leid schwer. Dabei sind sie einfach. Da ist kein anderer. Es ist unserer und nicht unserer, es ist der Schmerz der Welt und eurer und weil es kein uns und euch gibt, ist es gemeinsamer Schmerz. Wenn wir uns oder ihr euch zu einem euch und nicht uns machen, bleibt es unser Schmerz. Verbundenes Leid. Bei uns blutet es dann manchmal durch die Narben, bei euch juckt es kurz und wenn ihr dann nicht hochseht, sondern gedankenverloren über euren Arm wischt, wundert ihr euch vielleicht, dass wir weinen.

Und Glitzer, Glitzer ist auch nur Staub, der das Licht reflektiert

Toter Glitzer

Zwei Tage nach dem heftigsten Traum, den ich seit Monaten gehabt habe, ist das Aufregendste die neue Sojasauce mit Hot Chili Lemon Flavor.

Ich hatte geträumt, ich war mit einer, die eigentlich ich war, draussen, stand irgendwo entspannt rum, ich glaub, wir unterhielten uns gerade, als ein brennendes, wahnsinnig schnelles Geschoss auf mich zuraste, eine sirrende Kugel, nicht linear, sondern wie programmiert auf bewegliche Ziele, fast als hätte sie ein Auge, rot brennend, meinem Ausweichen magnetisch folgend, um mich zu töten; das erste Mal ging sie knapp daneben, aber ich wusste und sagte es laut in den Raum: Ich sterbe.

Eine Ausweglosigkeit und Absurdität von Zeit, zugleich lupenartig und gerafft, über sich selbst hinwegdeutend auf die nahe Zukunft, die einen oder zwei tote Körper am Boden liegen sah. Beruhigend, auf jeden Fall nicht entkommen zu können, beängstigend, jetzt doch noch erwischt worden zu sein.

Catch me while I’m still living.
Und Staub, ja, Staub ist doch auch nur toter Glitzer.

gold was glänzt

heute sind es zwei jahre, soundsoviel nicht gezählte tage ist es her, dass unsere begegnung eine gesprengte see wurde.

ja. ja, das ist das, wenn untendrin, untendrunter eine bombe explodiert und dann die ganzen toten fische und plastikpartikel in die luft geschleudert werden, wie fontänen, aber in schrecklich. kein springbrunnen, falls das die erste assoziation war, sondern so, dass dem ersten schreck der schock folgt, dann irgendwann schleudertrauma und schrotthalde. dann lange nichts oder niemand.

später dann phoenix und so, klar. doch vorher in die luft gejagte see. du uns, mich, alles, aber das war gestern, heute bin ich taucherin. und auf der deponie wächst gras, grün und giftig, leuchtend. mir geht es gut. psycho ist over, physio hilft beim rest.

ich vermisse dich noch, trotzdem. dabei kenne ich dich nicht einmal. kannte nur das gold, das ich in dir sah, tief drinnen, unten. weit weg von der farbe, die deine haare ebenso schimmern ließ, naja fast. vermisse deine hände, die blicke, die offen waren, unser begegnen. ich weiß nicht, ob du das warst oder nur eine ahnung. das gefühl, gemeint zu sein. aufgehoben, aufhebend, sich, manchmal alles. es macht nichts.

wir sahen das in der anderen, dessen wir uns nicht sicher sind, das wir nicht kennen, ein tanz derer, die wir sein könnten. der kleine tod danach und vielleicht ist es, wie eine freundin sagte. nur das haben vergeht, die liebe nicht.

kann ja nicht schaden.

ravensbrück

dunkelgraue schlackesteine
kleine grüße an die toten
minusbaracken
wiegen schwer
er als du denkst
und du denkst – du weißt nicht
und merkst erst, wenn du anfasst
und anhebst
und begreifst

der zitronenfalter sieht zu
flattert fliegt hoch
wozu steine wiegen

mit bloßen füßen
straßen bauen zum sterben
müssen
und alles fühlen
fällt forverts unvergessen

autoimmun

schmerz macht gefügig
das ist nicht nur ein sprichwort
es ist wahr wir wissen es
auch wenn es nicht gewollt ist

nach tramal und traumatischen gedanken
bin ich bereit für die nächste stufe
die spritze des praktikanten tut uns leid
notfälle können erst im nächsten quartal wieder in die ambulanz

schmerz über den willen abstrahieren
entkörperte gestalt
in anwesenheit transformiert
drei mal ibu oder 800 nadeln

ich mutiere zum ganzkörpertriggerpunkt
die striche unten dran
sind die beine falls das
die frage war

ich bin quasi das einkaufszentrum
für schmerz shoppende antikörper
und hat eigentlich schon mal jemand
selbstverletzendes verhalten bei zellen problematisiert?

armer kämpfender körper
kleiner leidender kasten
kannst du nicht frieden schließen
die wände hier sind schließlich
lauter weiße fahnen

Was das für 1 Selbstbild ist

Vielleicht hatte das auch damit zu tun. Ich bin doch nicht die, die sich so täuscht, enttäuschen lässt und so wenig schützt. Aber genau die war ich.
Und weit hinten, darunter, hatte eben doch das alte Gefühl, die ewige Indoktrination gesteckt, du bist es nicht wert, hast nichts Besseres verdient, nicht verdient, dass bla. Du bist ein Stück Scheisse. Genau das, als was es sich angefühlt hat. Und ja, das ist Opferkacke. Aber ich hab den Haufen hinter mir gelassen. Hatte auch kein Tütchen dabei.

Was das für 1 Life ist

Ich starre auf die Wand vor mir und mit einem Mal passiert, was ich schon früh in meiner Kindheit versucht hatte, bevor ich die versteckten Holzfasern dann doch einfach herauskratzte, weil mir die Flucht nicht gelang, ich aber verschwinden musste – die Erhebungen in der Raufasertapete wurden zu Mulden, manche mit dem Schatten eines vermuteten Spalts, manche mit schemenhaft angedeuteten Tunneln. Während sie sonst immer an Pickel einer Akne erinnert hatten, waren sie nun plötzlich zu ihren Narben geworden, Krater, in die ich abtauchen konnte, hinter die Wand, in Sicherheit. Das hat nichts zu tun mit Marlen Haushofer oder so, oder doch, in gewissem Sinne, jedoch mehr mit den Kaleidoskopen gequälter Kindheit, aber – und das ist das, was ich eigentlich sagen wollte, an alle da draußen (bzw. eben nicht draußen):
Nichts ist unmöglich.

Was das für 1 Konzept ist

was ist Heilung

keine offene Wunden
ein Prozess
Wiederherstellung und

geheilt klingt nach unheilbar

die Gründe des Leids
die nah waren
die weg sahen aber

Heilung sei
die Beseitigung
der Ursachen (ok world your turn)

Die Folgen, die kaum noch sichtbar sind nur
in einem bestimmten Licht nur
bei Wetterwechsel nur beim Fallen nur

aussen wo sie hineingezwängt wurden
innen wo sie hinaustrennen mussten
wohnen Menschen, Orte, Erinnerungen. Augen. Nerven enden

dort aber wäre ich wieder hergestellt
kuriert integriert und
renaturiert (zum Eizellenzustand, hello brother)

und dann dann dann bin ich geheilt wenn ich gesund bin oder
wenn ich ganz bin muss ich mich auch so sehen können oder eher
die anderen

heilt es euch wenn ich heilen kann
von gesprengtem Weltbild und bröckelndem Vertrauen es
hilft wenn Heilung möglich ist

Resilienz ja

und warum interessiert das andere mehr
als mich ich lebe einfach
was an sich schon krass ist aber

bin ich geheilt wenn ich heil bin

heil
gemacht
von oder vom innen oder aussen und

wozu

Zwischen innen und aussen oder All und Welt sind die Unheilbaren, seht ihr
nicht, sie wohnen da, sie leben, sie spiegeln
euch heillos durcheinander

und atmen

Ins Sein gefallen

Ich habe sie gefunden, die grüne Tara der Insel, die mallorquinische Tara vom Port de Sóller. Sie ist blau.

überlaufen

Sie ist im grünblauen Meer, in der weißen Gischt und dem türkisen Schimmer, sie ist die Sicht auf den Grund durch schimmernde Tiefe.

dort

Sie ist in der Wucht des Wassers auf die goldgrauen Felsen und in den von Wellen hineingespülten Mulden und Löchern.

gold

Sie ist das Meer selbst und sie ist ich schwimmend und Meer werdend. Sie wellt und welt.

klarheit

Sie ist in der Santa Capelleta und die fliegende Maria skulpturiert davor, sie ist der Plastikventilator rechts und links vom Altar, sie ist der Stein auf dem Stein der Trockenmauer.

fliegen

Sie ist der sich reckende Olivenbaumstamm, der Wunderbaum, der einen einzelnen Ast grün emporstreckt, gleichsam im Begriff, sich niederzuwerfen, mit über den Scheitel gehobenen Händen.

niederwerfen

Sie wartet in der sengenden Hitze in der Felsmuschel auf uns

refugio

hoch oben auf der Klippe, wo die Fischerboote auf dem Meer ebenso klein sind wie die Häuser von Deià.

deià

Sie stapelt Steine in gestorbene kleine Bäume

steinstapel

und Felsen in das unfassbar lebendige Meer

blenden

Sie singt bei gefallenen Aleppokiefern

aleppokiefer

und fotografiert den Schein im Auge der Betrachterin

spiegel

sein

 

für die rote Bodhicitta-Nonne

44

Der Flug, ich fliege
in einem anderen Land

Dort bin ich eine
die sich ähnlich sieht

Wie kann es sein
dass ich hier bin
lebendig auf der Insel
im Meer

Der erste Flug
Stufenwege in Langsamkeit
Bloß Sein
bloßes Sein

Keine Karten
weglos ichlos
Türmchen Steine
planlos Vertrauen

Zuhause ankommen
immer noch bloß
ich habe eine riesige Wohnung
Sojayoghurt schmeckt eigentlich gar nicht

aber wie hübsch es hier ist
wie eingerichtet
und Sein
kann ich überall

Was war das für 1 Summer’s Tale?

asummerstale16

Tag 1. Die Kastanienbäume sind hier fast ohne Mottenbefall, an jeder Ecke gibt es Läden für Reiterbedarf, aber nix zum Essen kaufen, die einzige Partei, die Wahlplakate hängen hat, ist die CDU und natürlich überall Pferde. Schubkarren in lila, pink und neongelb. Eine Grüne still daneben. Wo der Localact „Achtung Baby“ heißt und zum Glück gerade auf Minitour durch die Samtgemeinde und nicht auf dem Festival ist.

Das Summer’s Tale.

Im Bus-Shuttle hatte mir eine erzählt, dass sie letztes Jahr nach Tori Amos‘ Auftritt stundenlang hungrig hinter der Bühne ausgeharrt hat, um die Künstlerin zu treffen. Nach gefühlt zwanzig Minuten fangirling gesteht sie mir, dass sie den Backstagepass dann doch verpasst hatte. Beim Schlangestehen für eine Ladung Süßkartoffelpommes.

Ich esse gerade Salat, weil ich schon nach einem Tag (und es ist egal, welcher es genau ist, es hatte einen Anfang und irgendwann ein Ende, aber dazwischen ist floating) also, ich hab schon nach einem Tag mit Brötchen und Frittiertem was Gesundes vermisst. Nja. Der Salat kommt mit der Plastikgabel, die es im Dorfsupermarkt, den ich entdeckt hatte, gleich dazu gab. Ein Typ mit Gitarre fühlt sich von der Atmosphäre oder so berufen und legt los, als ich gerade im Schlafsack an Koffer (haha mit Rollkoffer zum Campen) gelehnt die erste Gabel reinfahre. Es regnet, ich hab es gemütlich, ich wünsche ihm, dass er berühmt wird oder was immer sein Traum ist.

Meiner ist Stunden später auf die Größe von schalldichten Ohrenstöpseln (schlechte hab ich schon, danke) geschrumpft. Aber die neuen Nachbarn, eine Reisegruppe, die heute nach Mitternacht unter viel Gelächter ein riesiges Zelt mit ca. 30 bis 40 Heringen (eingehämmert) aufbaute – ich stellte mir ein tragbares Haus vor mit Dutzenden Abspannseilen, groß genug für ca. 10 bis 20 Leute – entpuppten sich als kleines Dreiergespann mit einem Zelt, kaum größer als meins. Keine Pointe, außer: nachts sind alle Monster größer.

asummerstale16_blümchenSo langsam gewöhne ich mich an das hier. Überall diese Menschen, Stimmen, Wortfetzen. Rennende Kinder und entspannte Erwachsene.

Food Trucks. Vincent Vegan, der mir nicht verrät, ob Vince wirklich vegan isst, dann der Hackbaron, Curry it up – indisches Essen mal nicht von weißen Dudes, sondern tatsächlich von indischen Leuten, die sich damit den Lebensunterhalt verdienen. Und das ist nur der Anfang, weiter hinten gibt es noch Food-Stände, bestimmt fünfzehn zur Auswahl, viel regionales Zeug im Angebot.

An den Kompostklos steht: Die Welt ein einziger Kreislauf, Deine Scheisse ein Teil davon, und ich weiß nicht, ob sie meine grüne von heute Morgen wirklich haben will (hier der Link zu meinem gestrigen Abendbrot, bei dem eigentlich nur die Serviette grün war). Vermutlich aber nur die Nachwirkungen des Antibiotikums von letzter Woche.

Die Duschen sind heißer und haben mehr Druck, als meine zuhause je hergibt, selbst wenn ich allein im Haus bin und nirgendwo anders Wasser läuft. Die Teenies neben mir duschen stundenlang, weil sie ihre Spülung einwirken lassen und mir ist endlich nicht mehr kalt.

Das hier. Das ist Musik, Lesung, Tale’s Café, Zausel mit Decken um den Schultern, Hipstercliquen neben Mittfünfzigern und Schüler_innen in Vans und Leggins. Fliessende Übergänge. Das Kind in der Rückentrage, das immer wieder eine Seite des Kopfhörers anhebt und konzentriert dem Simon Garfunkel/Damien Rice/Kings of Convenience-Act lauscht.

Woher ich die Pommes habe, will eine im Zelteingang (nicht von meinem zum Glück – ich bin vorm Konzertzelt) von mir wissen, und ich sage, das sind Süßkartoffel Fries von Vince, voll vegan und auch sonst echt lecker, Tori Amos rules. Die Frau guckt mich verständnislos an.

Andere können auch was. Das Festival zum Beispiel. Kaum Wursthaare und gar keine fake War Bonnets, eine Poetry Slammerin, die allen, die Feminismus und Feminist_innen nicht mögen, anbietet, sofort etwas dagegen tun zu können: Sexismus beenden und auch sonst Unterdrückung und Diskriminierungen abschaffen, sounds like a fair deal. Nur einer geht an dieser Stelle. Vielleicht musste er mal.
Einzig die Festivalbooker hatten sich im Jahrhundert geirrt, ich hoffe, nur temporär, um 2017 dann wieder reorientiert zu sein: ein Verhältnis von 7:1 im Musik-Line Up (= sieben Mal so viele Männer* wie Frauen* bei den Bands), ist einfach ohne Worte.

Auf der Hauptbühne jetzt Garbage, und ich treffe den Managertypen vom letzten Mal. Ich frage ihn, ob sein BW-Klamotten überm white collar ein Statement sind, seine Antwort geht in Shirley Manson’s „Sex is not the enemy“ unter.

Ein Mann, bei dem ich nicht erkennen kann, ob er schon immer so ’nen fetten Vollbart trug und sich jetzt nur die Seiten rasiert hat, weil er meint, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben, tanzt vor mir, creept so’n bisschen an mich ran und ich denke nur semi angetrunken, er hat sich die Falsche ausgeguckt, drehe mich um, sehe eine Frau, die wie ein Flummi tanzt, und denke an eine andere, und wie wir bei der LBTQI*-Party waren und ich begriffen hatte, dass ich alles kann, wenn ich will, zumindest tanzen. Und es war zwar Wollen, aber ein sehr zurückgenommenes, gelöstes, es tanzte einfach. Ich war es nicht.

Bart tanzt jetzt woanders und ich schaue in Gedanken an mir runter, North Face, graue Jeans, orange NBs aber boys don’t cry und was hat dich bloß so ruiniert, danach schlägt dein Herz und it’s the end of the world as we know it und ich fühl mich gut.

asummerstale16_nightUnd die zwei vor mir schauen mich an, als ich eine Pause mache und wollen mich animieren, mit ihnen zu tanzen mit „You’re The Only One“ und dann noch mal bei „Follow Me“ und ich denk, ich bin mindestens doppelt so alt und sie können drei mal so lange tanzen wie ich. Sie versuchen es noch ein paar Mal, ich lache sie an, und als sie gehen, sag ich ihnen, wie süß sie sind und have a good time und er nimmt mich in den Arm, sie auch, guckt mich an, „du bist echt ne coole Frau“. Und in mir so das Echo: Whoa und ich tanze und fühle mich wie zwanzig, also wie jung sein gewesen wäre, in einem anderen Leben. Nice.

Gitarre hat heute morgen verschlafen und auch sonst ist alles sehr entspannt. Gegenüber wieder neue Nachbarn, die Kinder heißen wie Getränke und der Kaffee ist etwas stärker diesmal. Am zweiten Morgen habe ich schon eine Miniroutine entwickelt, die bis zur Abreise zur Gewohnheit werden kann, Sicherheit herstellen oder die Fähigkeit, sich in der Flüchtigkeit zuhause zu fühlen.

Rojava und die letzten Tage des Parvis K, Kobani, Daesh und syrische Woche. Die Welt ist nicht vor der Tür, sie ist zwischen den Zelten. In Bildern, Worten, Köpfen.

Im Regen paaren sich Nacktschnecken auf Fahrradwegen und vielleicht wird das mein neuer drölfzigster Romantitel. Voll daneben. So wie der Supermarktmensch die Festivalleute findet, die im Herbst Sonnensegel kaufen. Ich vermute ja, die sind einfach mit ihrem Zelt abgesoffen und versuchen, sich jetzt ein Dach über dem Dach zu basteln. Zelten, weil man es kann und nicht muss, geht mir hier oft durch den Kopf.

Und äh, ja, ich war schon wieder unterwegs, statt zum Yoga-Qigong-Dings-Workshop zu gehen. Da fassen sich immer alle an, jedenfalls sieht es auf den Fotos so aus. Dass es überhaupt Fotos davon gibt. Aber es scheint Leuten zu gefallen und beides nicht zu stören. Ich laufe lieber weiter die Wiesen und Dörfer ab.

Sogar Windpferde hab ich hier an einer Terrasse in einem großen Bauerngarten entdeckt, aber das krasseste war, dass hier Leute mit Arschtattoos auf den Autos fahren.

Mensch mit Arschtattoo stehend auf Auto
Nee, nicht so.
Tattooaufkleber auf Autoheckscheibe
Aber so.

(Hab dafür extra meine Photoshop-Skills aktiviert – natürlich erst zuhause, ich war ja ohne Laptop unterwegs *klopft sich kurz auf die Schulter* – oder nee, das war eigentlich GIMP, das aber voll nach MS-Paint aussieht. Hat sich gelohnt, oder?)

„Happiness is always an inside job“ und heute tragen die Älteren durchweg Regenklamotten mit Wanderschuhen oder Gummistiefeln, die Jüngeren dasselbe wie an den anderen Tagen, nur mit durchsichtigen Regenponchos drüber. Hatte ich schon erwähnt, dass es seit 12 Stunden 6° kalten Regen regnet? Feuerkörbe und Glühwein machen das Sommermärchen perfekt. ^^

Dann. Sigur Rós. Gebannt, staunend, eine Lightshow aus virtuellen Welten mit Elementen aus der greifbaren Wirklichkeit überleitend in virtuellen Raum. Faszinierend. Es unterscheidet sich nicht. Hinten eine Projektionswand, vorne ein gitterartig beweglicher Vorhang wie eine Jalousie aus dünnen metallisch wirkenden Stäben voller LEDs, die mal netzartig wandernd, mal statisch gestreift Muster abbilden.
Sprossenwandartige Metallstäbe mit durchgehenden LEDs quer zur Bühne, die sich zusammen mit der Projektion dahinter vertiefen zu einem fluchtpunktartigen Tunnel, die Band irgendwo dazwischen. Nebelpunkte und einzelne Scheinwerfer aus der Tiefe, Figuren, Motion Capture Techniken, die Bewegungen, die Umrisse der Hand, die den Bass spielt, als generierte 3D-Modelle auf der hinteren Fläche, die Zwischenwand hebt und senkt sich, ich bin sprachlos, dieser gleichzeitige Ausdruck in Ton und Bild ist so krass.

asummerstale16_sigur-rós

Mäandernde Tetraeder, die sich verbinden zu gitterformigen Geweben, die einen Raum umspinnen, der sich sofort wieder auflöst und in eine neue Form übergeht. Manifestieren, um die Auflösung zu unterstreichen. Ganz groß. Sigur Rós-Fans stehen und jubeln übrigens ziemlich still.
Videosequenzen und Computergrafiken, Konturen von Landschaften, tiefe, scheinbar unbegrenzte Weiten, ein audio-visueller Overload, dunkle Wolken und weiße Laser, ich gehe danach langsam und schweigend ins Zelt.

Wie viele haben die langen Enden ihrer Festivalarmbänder abschneiden lassen, vielleicht niemand außer mir. Eine Übung in Einsicht, die meisten scheint es nicht stören, fortwährend, bei jeder kleinsten Bewegung diese schmalen Läppchen am Arm oder der Hand rumflappen zu haben. Mit der Zeit werden die außerdem bestimmt schwer, triefen vor Schlamm oder hängengebliebenem Essen. Aber dann frage ich meine Nachbarin, deren Endbänder praktisch bis zu mir herüberflattern und erfahre die eigentliche Wahrheit. Die Dinger stehen so sehr ab, dass sie gar nicht weiter stören.

Tanztheater, ein drängender Beat, der den eigenen Herzschlag antreibt, komm, beeil Dich, tu was, sieh hin und ich sehe hin, aber mein Herz will gerade nur langsamer werden, mein Ruhepuls in Stille ist im Mittel unter 40.

Don’t trust the border, it’s a trap. Aber für wen bloß. Für die, die es betrifft, ist sie real. Wir sind die, die es betrifft, egal auf welcher Seite des Zauns wir stehen, ausharren, leben, überleben. No border, no nation, diese Aufgabe ist größer als ein Leben.

asummerstale16_goldeimer

Ich sitze auf einem der Holzspäneklos, die hier an verschiedenen Standorten stehen und erstaunlich gut funktionieren, lese an der Tür „Goldeimer Kompositionen“, draußen spielt „My Traveling Piano“, na, was wohl, Bach natürlich.
Beim Verlassen schaue ich nochmal genau hin, „Komposttoiletten“ steht da, ach so. Viva con agua, Wasserprojekte.

Während ich mich den Klängen der Disko Partizani von Shantel & Bucovina Club nähere, meint eine mir entgegenkommende Frau, in mir die Mutter eines Mädchens zu erkennen, das einige Meter entfernt verzweifelt seine Mama sucht. Das sieht Ihnen ähnlich, sagt die Frau und ich erschrecke, kennen wir uns? Nein, und dann erst verstehe ich, dass sie nicht mich meint, sondern das Kind. dass sie das Kind meint. Es hat braune Locken und grüne Augen. Und es ist zu jung. Ich kann gar nicht sagen, auf wie vielen Ebenen sie mich da erwischt hatte.
Aber auch wenn die Zeiten sich vermischen und ich nachts ums Zelt manchmal vermeintlich Männer höre, die zu dem vermeintlichen Wohnwagen, dessen Tür nur von aussen zu öffnen ist, wollen, verwechsele ich eines nie: Ich halte nur Kinder, die so alt oder älter sind als meines, als ich es das letzte Mal sah, für mein eigenes, das mich endlich gefunden hat.

Niemand sieht diese Sekundenbruchteile und nichts heilt die Realität. In dieser Nacht gehe ich nicht tanzen, vor mir unterhalten sich zwei Psychotherapeutinnen um die sechzig: „Der vorhin konnte gar nicht singen, und dann diese Texte! Oder was meinen Sie dazu, Sie sind doch noch jung! Gehts Ihnen gut?“ Funny ohne Metaebene und ich selbst denke in Noels Richtung früher war mehr Oasis und gehe tropfend zum Campingplatz.

Es ist besonders, wie alle hier miteinander umgehen, achtgeben und sollte doch nicht besonders sein.

Das kehlige Lachen der Nachbarin weckt mich durch die Ohropax hindurch, die Sonne scheint. Manchmal sogar mehr als für ein paar Minuten.

Auf dem Festival sind alle gleich, sobald ein gemeinsames Interesse erkannt wird, verstehen sich die unterschiedlichsten, sich fremden Menschen, fühlen sich verbunden. Wenn wir nur begriffen, dass es immer schon so ist. Weil wir Menschen sind.

Ich zerstreue mich über das Gelände und denke über Leben und Tod nach.

Damn. Ach, automatische Worterkennung. Nochmal. Dann. Bei der Lesung ein Zitat von Patti Smith, die im letzten Jahr einer der Hauptacts war: „Keep your name clean“. Alles, was Du tust, ist für immer.

Ich könnte heute fahren, aber wenn ich noch bleibe, etwas über den Moment hinaus, freue ich morgen umso mehr. Oder? Das ist kein Grund zum Bleiben. Ich beschließe, das Zelt noch stehenzulassen, weil ich weiter woanders sein will, nicht zuhause und noch nicht unterwegs. Lose. Hier. Darauf einen pop cake von Fat Unicorn Sweets.

Graue Plastik-Dickies, G-1000 und G-Stars über Mammut, Chucks und Birkenstocks (dank des Revivals sowohl in Leder als auch Neon), auf Schultern tanzende Kleinkinder.

Ich trinke einen Grauburgunder auf ach, eine und alle und danach lieber Bier. Glitzerbärte, Flechtfrisuren und eine Ladung Indie, ich glaube, der Revolver Club hat schon letztes Jahr das DJ-Set geliefert, zu dem ich am längsten getanzt habe. Das wäre schön, das öfter zu machen, nach Hamburg fahren, tanzen gehen. Oder geht das zuhause auch.
Es ist drei Uhr, das Festival in einer Stunde zu Ende, ich im Zelt, ein paar Stunden schlafen, morgen geht es zurück. Danke, Musik. Danke, Menschen.

asummerstale16_leute

Sofa

Ein Transporter in LKW-Größe hielt vor meiner Tür und brachte: ein Sofa.
Ich besitze (grinning face) nun das erste Mal in meinem Leben ein Sofa. Das gibt mir Hoffnung. Nicht das Sofa selbst, obwohl ich es überhaupt nicht unterschätze, nein, ich meine, dass ich vielleicht schon die Hälfte meines Lebens hinter mir habe (wenn es gut läuft und sogar doppelt gut, so dass ich nicht denke, wenn es schlecht läuft), und immer noch etwas zum ersten Mal geschehen kann. Krasses. Besonderes. Nicht krass Schlimmes, wobei das natürlich immer passieren kann (und schon passiert ist) und in der Nähe und Ferne (was ist eigentlich fern) täglich geschieht – das meine ich nicht, nicht jetzt. Ich meine etwas, das dennoch und immer geschehen kann, etwas, das meine Intellektualisierungen über den Haufen wirft, etwas, das schön ist. Ein Sofa. Klingt albern. Nö, oder?

Es gibt diese Dinge, die ich nie vermisst habe, auch wenn das nur ein Trick von brain war, denn wofür ich kein Geld hatte oder was nicht als Geschenk zu mir kam, das war etwas, das nicht nötig war. Das brauchte ich einfach nicht. Auf die Art ist es möglich, jahrelang die Kleidung mit der Hand zu waschen, sich von Reis mit Tomaten zu ernähren und die Fahrt an den Autobahnsee eine Reise zu nennen. Es ist nur möglich, sich auf das Wesentliche zu besinnen, wenn man eine Wahl hat. Vorher ist es nur das Einzige, von dem höchstens andere sagen können, uh, wie reduziert aufs Wichtige, awesome. Nicht.

Aber um auf das Sofa zurückzukommen. Mit dem Geschenk kam ein Hund mit, der gleich auf meinen Arm gehüpft war und dort einen Platz ausfüllte, der offenbar schon lange gewartet hatte. Arm wurde Kopfkissen, Hund lag ganz still und atmete durchs Fell. Hund kennt sich offensichtlich aus mit Sofa und Meditation, riecht nach Zen (zum Glück nicht nach Hund und vor allem nicht nass, ich mag nur nasse Strasse, Hunde eigentlich gar nicht). Hund jedenfalls zeigt mir, wie Sofa geht und also Platz und Hund und ich darauf. Kissen an Rücken, Blick aus dem Fenster. Auf die Dächer, in den Obstbaum, auf die Spatzen [1]. Himmel. Schön. schön. schön. Das Sofa, das Leben. Auch wenn mein Wohnzimmer jetzt ruiniert ist, ich muss praktisch über Sofa direkt auf den Klavierhocker springen, wenn ich meine Sehnenscheidenentzündung vergessen habe, oder Dreisprung um die Ecke, Schrottknie ahead, naja bisschen übertrieben. Das mit Wohnzimmer, der Rest nicht.
[1] Ich wette, sie haben dort Sofareihen hinter der Dachrinne.

Was vorher geschah? Vorher gab es nur Minisofa, aka Sessel, Sofa immer und eigentlich nur dann, wenn ich mich als kleines Päckchen darauf zusammengekrümmt-oder-kringelt (mit entsprechend unterschiedlichen Ausgangssituationen) hatte. Aber nun kann ich, egal was gerade ist, vom Schreibtisch mit oder ohne Laptop direkt auf Sofa fallen, ok, nur gesprungen und das dann besser allein, aber das Ding – it’s a thing! – ist ja, dass ich es kann. Das ohne Computer. Ich kann da liegen mit Hund, Kaffee, beidem oder nichts und NICHTS tun.

Nochmal zum Thema Hoffnung. Thesaurus nennt außer Zuversicht noch Erwartung, aber das stimmt nicht. Ich darf das sagen, denn mit Hoffnung etc. kenne ich mich aus. Vergeblich zumeist, aber das ist immanent. Keine Erwartungshaltung oder begründeter Anspruch, nur Hoffnung. Die passiert und findet statt, und anders als Wikipedia und die meisten meinen, viel mehr in der Gegenwart als ihre aus Vergangenheit und Zukunft gespeisten Geschwister.

So, und jetzt entschuldigt mich, Sofa ruft. Jetzt.

Kinderwunsch

Lea Hannah *22.05.

Du hast Geburtstag ich habe wieder
keinen Kuchen gebacken

Früher konnte ich nicht, keine Küche in Kellern und Krieg

heute könnte und kann ich nicht
obwohl ich aufgestiegen bin von Keller zu Küche
doch die Durchreiche, sie funktioniert nicht

aber sagen wollte ich auch mit einem Kuchen nur
mögest Du glücklich sein und frei
22-05-2016

Gebor g en

Ich sitze mit Kind_von_Freund_und_Freundin am wöchentlichen Abendbrottisch (nein, keine Sorge, es bekommt nicht nur einmal die Woche Abendessen, aber nur einmal die Woche ausschließlich mit mir, weil dann die Eltern was ohne Kind unternehmen).

Kind ist klein (wirklich klein) und lernt in unfassbarer Geschwindigkeit sprechen. Wie sie es eben manchmal tun. Es liebt Wörter und Sprache und ich würde ja sagen, das hat es von mir, aber von mir, zumindest biologisch, kann es das nicht haben, andererseits – werwelche weiß schon, ob es nicht auch dafür semi-oder-ganz-permeable Membrane geben kann, ich meine in Zeiten von Nanopartikelchen und ihr wisst schon, diese ganzen Doppelhelixe und der Evolutionskram interessieren eh nicht die Bohne (oder doch, zumindest meinen Sojajoghurt esse ich am liebsten gen-unmanipuliert zum Frühstück) – aber darum geht es jetzt nicht. Mit Kind keine Ablenkungen, keine ausufernden Gedankenlinien, Knäuel überall, nein, mit Kind alles klar und fokussiert. Ganz im Hier, Jetzt, Sein. Nichtdenken. Stillwerden. Zuhören. Kleine Mahlzeiten dann und wann.

Essen mit Kind läuft zur Zeit so ab, dass Kind auf momentane Lieblingsdinge in der Küche zeigt: „Da! Ein Pferd!“ und alle dann der Reihe nach benennt. (Es fängt gerne mit Pferd an, wobei Pferd natürlich nicht in der Küche aka Stall steht, sondern ein Bildchen auf einem Wandkalender ist). Jedes zweite Mal fragt es dann mich: „Was das ist?“ und dann sage ich das Wort, manchmal noch ein, zwei weitere Sätze dazu, das Kind nickt zufrieden und beginnt von vorn: „Da, eine Hansibeere!“ (Es liebt Johannisbeeren, jedenfalls wenn die Liebe länger als eine Woche angehalten hat, es verschenkt seine Liebe für Dinge nämlich gerne und regelmäßig neu. Außerdem liebt es Frühstück zum Abendbrot, vor allem eben Beerenmüsli).

Als nächstes zeigt Kind auf die Blumenvase auf dem Tisch und sagt freudig, mit großer Selbstverständlichkeit: „Guck mal, Tulpen! Hat Mama gebastelt.“ Ich schlucke, vor Rührung, sage „Ja“, und bleibe mit dem Blick und den Gedanken an der dunkelroten, weit geöffneten Blüte hängen, aus deren Mitte der Stempel wie ein filigranes Miniaturkunstwerk herausragt. So viel schöne Gewissheit, was Mama/Papa alles kann und macht, Mama/Papa macht das Schöne, macht Welt. Das ist erschütternd. Welch Vertrauen und Verletzbarkeit. Welch Verantwortung.

Dann rülpst sie und strahlt und ich freue mich mit ihr und denke, das ist schon fast alles, was es braucht für diese Welt.

Unsync me

Jetzt. Später.

Un-sync me

Ins phone getippte Sätze? Können weg.
In die cloud geschickte Fotos? Auch weg.
In die Luft geworfener Glitzer? Weg damit.
Pseudo? Endlich weg.

Als ob das so einfach wäre.

Diese Liebe war ungeniessbar. Bedingungslos und rückhaltlos wie mein Absturz im Sturm. Oben auf den Klippen noch ein Hauch von grünen Orangen. Jetzt ist sie fort, erst unterspült, dann hinunter.

Hatte Eisen verbogen, um zu passen und nicht zu verlieren, wurde Gummi und zu Deinem Bumeranggeschoss. Bloß hast Du Dich geduckt und ich stand hinter Dir. Wie immer zu rücksichtsvoll.

Hello Bindungstrauma.

[Insert: $time, $tears, $talk, $echoes, $anger, $emptiness, $tears, $time, $tenderness, $brain, $brain, $dignity, did I mention $brain already, $compassion, $time and $friends of mine, dreamless sleep, red wine and walks, und überhaupt $ojmjakon]

Trauer.

Endlich. Mich und meine Geräte mit der Wahrheit synchronisiert.
Lebwohl, Luftschloss. Du warst nur ne Hütte.
Schade. Das Blau stand dir gut.

Goodbye my love

Sync me

Black holes & Revelation.   Du liessest mich abprallen an den schwarzen Löchern deren Ränder eingefasst sind von Irissprenkeln, die ich meinte, etwas zu kennen. Das Minus-Universum, das sich in ihrer Mitte auftat, hatte keinen Platz für mich in der Tiefe des Abgrunds, wie gesagt, es stiess mich ab wie ein aus dem Nichts verdrehter Magnet, der aller Anziehung beraubt nur noch kaltes Metall war oder vorzugeben zu sein schien. Du gabst Dir viel Mühe, mich über Bord zu werfen, schlugst mit der scharfen Kante Deines phones, das mir nicht antwortete, auf die Hände, mit denen ich mich am Bootsrand festklammerte. Monatelang. Festgehalten und kein Wort von Dir. Es war auch mein Schiff, wenn ich erinnern darf, ich war Teil dieser Beziehung und werde mich davon doch verabschieden dürfen, am Besten, ohne unterzugehen oder ertränkt zu werden wie ein ungewollter Wurf kleiner Kätzchen.

Where is my mind.   Wie waren wir, nein Du, dort gelandet, ich glaube, ich stand immer noch unter Schock, ich war mitgeschleift durch Deinen Entschluss und Dein Schweigen und wenn Du noch einmal gesagt hättest, es gäbe nichts zu sagen oder zu erklären, dann hätte ich glaube ich alle Tage und Monate und Jahre und alle Mails und Messages und Bilder und Küsse einzeln wieder hochwürgen und ausspucken müssen, vor Deine Füße, damit Du gesehen hättest, wie unverdaulich Deine Liebe war oder was ich dafür hielt oder was Du dafür hieltest.

Liines.   Ich hielt mich fest an eng ins phone getippten Sätzen, die mir nichts beantworteten, nur zeilenlang meine Fragen vergessen liessen, weiß auf schwarz im Texteditor, der mir die Realität zu editieren verweigerte. Nur speichern konnte ich sie, automatisch, in der own cloud, um hinterher mich und meine Geräte mit Deiner Sicht oder Wirkung synchronisieren zu können. Da musste ich das noch. Konnte nicht merken, nicht lassen. Wollte nicht verlieren, was nicht da war.

Room

Room.
Wie in dem Buch. Wie in dem Buch Room von Emma Donoghue, das von einer Mutter und ihrem fünfjährigen Sohn handelt, die nach jahrelanger Gefangenschaft in Room, einem kleinen, engen Raum in einem Schuppen, die Freiheit erlangen.

Room.
Wie in dem Film. Wie in dem Film Room von Lenny Abrahamson. Nur dass Room in meinem Kopf ist. Außer dass ich weder ganz die Mutter noch ganz das Kind bin. Außer dass mein Kind nicht frei ist. Außer I’m not Alice und ich nicht in ein Loch fiel, sondern hineingeboren wurde. Von einer Mutter. Die ihr Kind, das später selbst ein Kind.. Außer dass ich schon als Kind in Room geworfen wurde.

Room.
Wie in der Verfilmung des Buches. Außer dass es kein fremder Old Nick war. Außer dass nur ich entkam. Außer dass nachts mehr Menschen kamen. Außer dass ich Room tagsüber verlassen durfte. Und es Room dann nicht mehr geben durfte. Nicht in der Welt, nicht in meinem Kopf. Nicht in meiner Seele. Aber Room war überall. Ich war Room. Bevölkert. Sie haben Room in mir nachgebaut, mich dort eingeschlossen und mich in die Welt geschickt, zu funktionieren. Einen Abschluss zu machen und der Welt zu zeigen, alles in Ordnung. Die Welt hat mir geglaubt, weil ich so gut darin war und nachts dann wieder Room. Die Welt glaubt immer noch. Ich nicht.

Auf Wiedersehen, Room.

Ich sehe Dich jetzt nur noch von aussen. Wie die meisten anderen. Wenn sie hinsehen.

#storyofmylife

Ich habe ein T-Shirt geschenkt bekommen. Das Etikett, das ich noch nicht einmal großflächig rausschneiden musste, weil es ebenso weich wie das Shirt selbst ist, sagt: „They said I was Trash, but now I am fashionable“. Vorne drauf steht Aliens welcome. Es ist in Größe S, aber eins ist klar, nie hat mir ein Kleidungsstück besser gepasst als dieses.

Wound Management

Wound Healing
in which the wound is left open and closes
naturally
slowly
slowly
slowly
is typical for chronic wounds
does that make
sense to you

Wound Closure
techniques make whole
not a hole
but
but
but
gaining access to a wound
through self-contamination
causes

Wound Infection
and is recognized
by localised
pain
pain
pain
and
does that mean
anything to you

Wound Healing
can be affected by systemic illness and local factors you
were my local factor meeting with systemic trauma followed by
an open heart
an open heart
an open heart
does any of this
look familiar to you
my

Wounded Valentine